Techniken

Erläuterung zur Entstehung und Bearbeitung der folgenden Bilder:

Milchtropfen:
Die Kamera und ein Infrarotgeber werden auf ein Stativ gesetzt wobei das Blitzlicht in einem Winkel von ca. 30° links davon aufgestellt wird. Das Blitzlicht muß auf Kurzzeitsynchronisation gestellt werden. Der Infrarotgeber fungiert dabei als Vermittler zwischen Kamera & Blitzlicht. Die Daten werden zur richtigen Belichtung des Bildes an das Blitzlicht weitergegeben.
Die Kamera muß an einen Fernauslöser angeschlossen werden, damit frei und ohne zu verwackeln gearbeitet werden kann.
Mit Hilfe einer Nadel, die man quer über die Tasse legt, kann der Punkt ermittelt werden, an dem der Tropfen auf die Oberfläche trifft.
Mit Hilfe einer Spritze wird etwas Kondensmilch eingezogen, und aus ca. 1m Höhe in die Tasse fallen gelassen. Dabei habe ich beobachtet wann sich der Tropfen an der Spitze einschnürt und fällt. Die Zeitverzögerung meiner Reaktion zusammen mit der Fallzeit ergaben exakt den Zeitpunkt, zu dem der Tropfen auf die Oberfläche auftraf. Mit dieser Einstellung habe ich ca. 5 Bilder verschossen, und danach die Fotos so ausgewählt, daß sie ungefähr einen zeitlichen Ablauf bildeten.

Gewitterblitz:
Wichtig dabei ist, daß nicht jedes Gewitter für diese Aufnahmen geeignet ist. Am günstigsten ist es, wenn man ein Gewitter fotografiert, welches zu einer sehr dunklen Tageszeit möglichst heftig und sehr nah herauf zieht. Weiterhin kommt es noch darauf an, dass man das Gewitter nicht im Rücken hat, sondern sich möglichst am Rand befindet, da die Blitze meist am Rande nieder gehen (da dort noch keine statischen Entladungen stattgefunden haben).
Entgegen der Auffassung: "Wenig Licht braucht einen empfindlichen Film!" nehme ich immer ISO 100 Farbdiafilme, denn sie sind feinkörniger, haben bessere Farben, und damit eine gekonntere Hell/Dunkel-Abstufung.
Die Kamera wird auf ein Stativ montiert, auf "bulb" eingestellt und an ein Fernauslöser angeschlossen. So kann man selbst regulieren, wann man den Verschlussvorhang öffnen oder schließen möchte. Dann wird die Blende eingestellt, deren Wert etwa 3,5 bei einer Brennweite von 50mm haben sollte. Die Kamera kann nun ausgelöst werden. Es bleibt nur noch auf einen Blitz zu warten. Das Bild (sofern noch kein Blitz eingeschlagen ist ) kann nach etwa 2 min verworfen werden. Sollte ein starker Blitz außerhalb des Brennweitenbereiches der Kamera einschlagen, dann wird man das Bild ebenfalls verwerfen, denn nun ist zuviel Licht auf den Film gekommen, wobei eine starke Verschleierung zu sehen ist.
Bei einem starken Gewitter kommen die Blitze etwa aller 1,5 - 2 Minuten. Nach einem gerade erfolgten Einschlag sollte man lieber noch ein paar Sekunden warten, bevor der Verschluss wieder geöffnet wird.
Es liegt im Ermessen des Fotografen, so viele Blitze wie möglich (oder wie nötig) auf ein und das selbe Bild zu bannen. Aber man spart nicht an Film, sondern es wächst die Gefahr der Überlagerungen und Überladung des Motivs.
Je nachdem wie stark der "Treffer" war, ist das Bild unterschiedlich stark belichtet. Erfahrungsgemäß ist aber eine Blende von 3,5 - 5,6 ein guter Wert.

Viel Spaß und viel Glück!

Infrarotfotografie:
Die Filme bekommt man am besten und schnellsten bei Foto-Brenner (19,95 DM ohne Porto). Bei anderen Anbietern kosten die Filme bis zu 80 DM. Dort bekommt man auch die Infrarot-Filter, die unbedingt verwendet werden sollten, denn sonst ist alle Mühe umsonst. Der Film wirkt dann wie ein Schwarz/Weiß-Film mit einer Körnung eines ISO-1600-Filmes.
Die Filme sollten kühl gelagert werden, denn sie sind sehr temperaturempfindlich. Allerdings sind sie auf 1100 nm geeicht, also etwas oberhalb des sichtbaren Lichtes (450 - 750 nm). Sonst würde der Film schon durch die Kamerarückwand belichtet werden. Des weiteren ist zu beachten, dass der Film nur in absoluter Dunkelheit in die Kamera eingelegt und entnommen werden darf. Der Grund: Infrarotlicht dringt ungehindert durch die Samtabdeckung der Filmrolle und beschädigt den Film irreparabel durch Fehlbelichtung. Auch das Einschicken des Filmes in die Entwicklungslabors sollte unbedingt in der Filmdose erfolgen. Meist ist das leider ohne Erfolg, denn viele Labormitarbeiter wissen scheinbar nicht, wie man mit Infrarotfilmen umgehen muss. Wenn die ersten 10 Bilder des Filmes mit einem Schleier völlig unbrauchbar sind, ist das das Ergebnis unsachgemäßer Behandlung. Daher sollte unbedingt ein Hinweis auf den Entwicklungsbeutel, der den Inhalt anzeigt!
Es ist notwendig sich für das Fotografieren Tage herauszusuchen, die mit einem strahlend blauen Himmel geradezu zum Spaziergang mit der Kamera einladen. Denn, der glasklare Himmel reflektiert kaum infrarotwelliges Licht und so kommt es zu einem besonders dunklen & mystischen Ausdruck der Fotos.
Der Film wird natürlich vorher Zuhause in einem dunklen Raum in die Kamera eingelegt. Wer vorher ein paar Trockenübungen mit einem Übungsfilm macht, ist klar im Vorteil.
Ein Stativ sollte beim Aufnehmen der Bilder nicht fehlen, denn durch die Verlängerungszeiten des Filters bekommt man meist Probleme, die Kamera für die Belichtungszeit ruhig zu halten. Außerdem ist das Einstellen des Motivausschnittes und der Schärfe besser zu bewerkstelligen. Wobei wir gleich beim Hauptthema wären. Infrarotwelliges Licht bricht anders, als die für das sichtbare Licht berechneten Gläser und Linsensysteme. Daher kommt es bei normaler Fokussierung zu unscharfen Bildern. Um dem entgegen zu wirken, kann man natürlich abblenden, doch das gilt nur bis zu einem gewissen Grad bei der Infrarotfotografie. Denn man muss wissen, daß es an der Blende bei starkem "Abblenden" zu einer größeren Beugung des Lichtes kommt.
Deswegen gilt die Regel: etwa 5 - 6 mm muss die Blendenöffnung noch sein, um auszuschließen, daß es zu einer Beugung kommt. Das bedeutet: bei einer Brennweite von 50mm (Normalobjektiv) durch 6mm dividiert = 8,3 Blendenzahl. " Blende 9.
Der Verlängerungsfaktor der Filter ist ebenfalls sehr entscheidend. Denn man erhält den Kodak Infrarot HS IE 135/36 als ISO 400, wobei er ohne Filter einen Wert von ISO 125 aufweist. Dasselbe gilt für den Konika Infrarot, nur im umgekehrten Falle: er ist als ISO 50 ausgewiesen, hat aber mit Filter eine Nennempfindlichkeit von ISO 250!
Durch den aufgesetzten Filter, oder auf einen UV-Filter aufgeklebt , kann man kaum fokussieren. Das macht ein genaues Beurteilen des entgültigen Bildes unmöglich, da selbst der Ausschnitt nicht korrekt gewählt werden kann. Deswegen sollte man vielleicht den Filter vorher nicht aufschrauben, sondern erst einmal so fokussieren. Damit sich die Einstellung nicht verstellt, kann man dann auf "manuell" umschalten. Nun bieten einige der Objektivhersteller heute leider nicht mehr den "Infrarotpunkt" auf ihren Objektiven an, was ein genaues fokussieren auf den Infrarotbereich unmöglich macht. Auch ich habe Objektive, die dieses kleine, aber sehr hilfreiche Applikation nicht bieten. Durch Probieren habe ich allerdings herausgefunden, dass man den Weg, den der Autofokus der Kamera angibt, minus 15% nehmen sollte, um auf den tatsächlichen Punkt zu kommen.
Nun kann man den entgültigen Ausschnitt wählen, den Filter davor setzen und das Okular verdecken, damit kein Streulicht durch das Prisma über den offenen Verschluss auf den Film kommt.

Falls es noch Fragen wegen einiger Details geben sollte, wendet Euch bitte an mich, ich gebe gerne Auskunft.

Viel Spaß mit Euren Bildern!